Extraposition Art Installation 2.0 | Stefanie Hering * Jo Ta

In der „Extraposition Art Installation 2.0 | Stefanie Hering * Jo Ta“ werden Stefanie Herings minimalistisch-archaische Gefäße der „Extraposition“-Serie Hauptdarsteller eines faszinierenden Video-Mapping-Projekts.

An der Grenze zwischen Kunst und kunstvollem Handwerk hat sich die ausgebildete Keramikmeisterin Stefanie Hering immer bewegt – mit den für ihre Berliner Manufaktur entworfenen, raffinierten Speise-Collectionen ebenso wie mit ihren reinen Kunst-Editionen „Extraposition“ oder „Sublime Conversation“. Nach der Zusammenarbeit mit dem thailändischen Foto- und Happening-Künstler Wasinburee Supanichvoraparch und dem Fotografen Jens Bösenberg sucht die experimentierfreudige Künstlerin nun erneut den Dialog ihres eigenen kreativen Ansatzes mit dem eines Künstlers aus einem vollkommen anderen Genre. In der „Extraposition Art Installation 2.0 | Stefanie Hering * Jo Ta“ werden ihre minimalistisch-archaischen Gefäße der „Extraposition“-Serie Hauptdarsteller eines faszinierenden Video-Mapping-Projekts.

An der Grenze zwischen Kunst
Dazu Jo Ta:

Dazu Jo Ta: „Mich erinnern die Porzellanobjekte von Stefanie Hering an Figuren aus der Zeit der Vor-Inka-Kulturen in Südamerika“, erklärt der gebürtige Bolivianer Juan José Zenteno Pacheco alias Jo Ta. „Sie ähneln den monumentalen Statuen auf den Osterinseln, oder auch den Monolithen von Tiahuanaco in Bolivien.“


Tatsächlich gestaltete Stefanie Hering die hohen, per Hand gefertigten Vierkant-Gefäße ihrer „Extraposition“-Edition in einer schlichten, fast grob wirkenden Formensprache, mit nur scheinbar exakt gezogenen, in Wirklichkeit aber leicht ausschwingenden Kanten. Diese Unschärfen geben den prägnanten Objekten die beinahe lebendig wirkende Anmutung archaischer Keramiken, stehen aber auch in spannungsvollem Kontrast zu ihrem blendend weißen Material: Biskuitporzellan.


„Neben diesen fast prähistorischen Anklängen haben Stefanies Objekte auch einen modernen Touch. Und sie tragen eine subtile Bewegung in sich“, skizziert der in Berlin und Treviso lebende Jo Ta seine Annäherung an Stefanie Herings Porzellankunst. „Dieses Spannungsfeld machte mich neugierig. Ich wollte ausprobieren, was geschieht, wenn man diese Objekte mit Lichtprojektionen verknüpft.“

Die Suche nach geeignetem Projektionsmaterial für die „Extraposition“-Gefäße gestaltete sich für Video-Jockey Jo Ta, der sonst großformatige Installationen in Europa, Asien und seinem Heimatland Bolivien realisiert, sehr aufwendig. In einem Archiv schließlich stieß er auf Luftaufnahmen, die 2018 in den italienischen Dolomiten gefilmt worden waren, vor allem im Umkreis des Passo Giao unweit von Cortina d’Ampezzo.


„Die Aufnahmen entstanden im Winter“, berichtet Jo Ta. „Doch im Zuge der globalen Erwärmung gab es in dieser Gegend, die normalerweise unter drei Metern Schnee versinkt, 2018 allenfalls Schneehöhen von einem halben Meter.“ So dramatisch diese generell in den Alpen sichtbare Entwicklung ist, für den Künstler erwies sich der Schneemangel als Glücksfall. Denn die Luftbilder zeigten keineswegs eine endlose weiße Fläche, sondern ein spannungsreiches Miteinander von Felsformationen, angetautem Eis und Schnee.


Auf die kantigen Gefäße aus Stefanie Herings „Extraposition“-Edition projiziert, erwecken die sich ständig verändernden, grau-weißen Strukturen die ohnehin bewegt wirkenden Objekte tatsächlich scheinbar zum Leben. Der Ausblick auf eine fast lebensfeindlich gewordene Umwelt ist in der gemeinsamen Installation von Jo Ta und Stefanie Hering ebenso implizit wie die Rückschau auf die archaischen Materialien, mit denen die Ur-Kulturen die Kunst des Töpferns und Bildnisse-Schaffens einst begründeten.

Die Suche nach geeignetem
„Video Mapping – also das Projizieren

„Video Mapping – also das Projizieren von Videos auf Objekte, Bauwerke, Schauspieler oder Tänzer – ist zwar heute, Dank entsprechender Computerprogramme, an sich keine Herausforderung mehr“, erörtert der Künstler und Kunstprofessor Samuel Bianchini von der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris in einem Interview mit ARTE. „Was eine Installation aber zum Kunstwerk macht, ist die Beziehung, die sie aufbaut zwischen den projizierten Bildern und den Objekten – sowohl im Hinblick auf die Ästhetik wie auch auf inhaltliche Assoziationen.“


Für Jo Ta, der seine Videoprojektionen sonst auf Hauswänden, Betonstelen oder den glatten Wänden eines Innenraums umsetzt, bedeutete die Arbeit mit den Objekten von Stefanie Hering einen ganz neuen künstlerischen Schritt. Die „Extraposition“-Gefäße „reagieren“ nicht wie passive Bildträger, sondern treten mit dem Filmmaterial in Dialog. Eine abstrakte Klanginstallation unterstreicht das Zusammenspiel zweier einander eigentlich fremder Kunstformen, die sich nun zu einem ganz neuen, synästhetischen Kunstwerk vereinen.

Die „Extraposition Art Installation 2.0“ wurde im Dezember 2019 in Stefanie Herings Showroom P98 in Berlin erstmals vor Publikum präsentiert und geht 2020 auf Ausstellungstour.